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- Out 5, 2021
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Passagiere ganze Nacht im Flieger gefangen:
Lufthansa spricht von Unannehmlichkeit. Geht’s noch?
Acht Stunden. Eingesperrt in einem Flugzeug, das sich keinen Meter bewegt. Kleine Kinder, die längst in ihrem Bett liegen sollten. Eltern, die versuchen, auf engen Sitzen ein bisschen Schlaf zu finden. Die Luft wird muffig. Die Toiletten sehen nach Stunden entsprechend aus. Vielleicht ältere Menschen an Bord, die ihre Tabletten brauchen. Vielleicht jemand mit Platzangst. Vielleicht jemand, der gerade aus der Ferne heimgekehrt ist und einfach nur noch nach Hause wollte.
Genau das ist am Flughafen München passiert. Eigentlich sollte es am Donnerstagabend nur ein kurzer Flug sein: Lufthansa LH2446 von München nach Kopenhagen, Abflug 21.30 Uhr. 123 Passagiere saßen an Bord, als wegen starken Schneefalls erst Verzögerungen durchgesagt wurden – und der Flug schließlich um 23.56 Uhr ganz gestrichen wurde. Was dann folgte, ist kaum zu fassen: Die Maschine stand auf einer Außenposition, doch es kamen keine Busse, um die Menschen zurück ins Terminal zu bringen.
Die Türen bleiben zu. Kein Bus. Kein Zurück ins Terminal. Eine ganze Nacht auf dem Rollfeld.
Gegen 2 Uhr morgens sollen die Passagiere erfahren haben, dass der Flughafen geschlossen sei – Nachtflugverbot von null bis fünf Uhr – und keine Busfahrer mehr verfügbar seien. Heißt im Klartext: Die Menschen mussten im Flugzeug bleiben. Bis in die frühen Morgenstunden.
Ich bekenne ganz ehrlich: Ich möchte mir kaum ausmalen, was diese Nacht für die betroffenen Passagiere bedeutet haben muss. Es ging nicht nur um den Flug nach Kopenhagen. Auch Reisende nach Singapur, Danzig, Graz oder Venedig saßen fest. Insgesamt rund 500 Menschen mussten laut Lufthansa die Nacht im Flieger verbringen.
Acht Stunden auf engstem Raum. Keine Gewissheit, wie es weitergeht. Dieses Gefühl, nicht hinauszukönnen. Nicht selbst entscheiden zu können. Wer schon einmal zwei Stunden im Flieger festsaß, ahnt ganz entfernt, wie zermürbend eine ganze Nacht sein muss.
Ein betroffener Vater berichtete später, es habe weder ausreichend Essen noch Decken gegeben, nur ein paar Wasserflaschen.
All das waren NUR Unannehmlichkeiten?!
Und Stunden später, als alles vorbei ist, sprechen Lufthansa und Flughafen München von „Unannehmlichkeiten“.
Eine Unannehmlichkeit ist der kalte Kaffee am Morgen. Der verpasste Anschluss. Ein verspäteter Koffer. Aber eine Nacht lang faktisch im Flugzeug eingesperrt zu werden, ohne ausreichend Essen, ohne Decken, ohne zu wissen, wann man wieder rauskommt – das ist keine Unannehmlichkeit. Das muss sich für die Betroffenen anfühlen, wie Ausgeliefertsein. Wie Gefangensein auf engstem Raum.
500 Betroffene – das sind keine Zahlen – das sind Menschen! Vielleicht Menschen mit gesundheitlichen Problemen, vielleicht mit Ängsten – und Menschen, die nach dieser Nacht schlicht am Ende waren. Da wird die Lufthansa zur FRUSThansa!
Natürlich: Wir kennen noch nicht alle Hintergründe. Es hat stark geschneit. Startbahnen wurden geschlossen. Enteisung dauert. Vielleicht gab es organisatorische Engpässe, vielleicht außergewöhnliche Umstände. Das wird zu klären sein.
Egal, was am Ende als Ursache herauskommt – die Wortwahl bleibt respektlos. Wer so eine Horrornacht im Nachhinein als „Unannehmlichkeit“ abtut, beweist, dass ihm jedes Verständnis für die Betroffenen fehlt. Jeder Funke Mitgefühl!
Liebe Lufthansa, lieber Flughafen München: Sprache zeigt, wie ernst man das Leid von Menschen nimmt. Wer Verantwortung übernehmen will, der findet andere Worte. Klare Worte. Ehrliche Worte.
Zum Beispiel: „Das war für unsere Passagiere eine massive Belastung. Das tut uns leid. Wir entschuldigen uns.“ Es geht um Respekt. Und der beginnt bei einem einfachen Wort: Entschuldigung.
Bild Zeitung
Lufthansa spricht von Unannehmlichkeit. Geht’s noch?
Acht Stunden. Eingesperrt in einem Flugzeug, das sich keinen Meter bewegt. Kleine Kinder, die längst in ihrem Bett liegen sollten. Eltern, die versuchen, auf engen Sitzen ein bisschen Schlaf zu finden. Die Luft wird muffig. Die Toiletten sehen nach Stunden entsprechend aus. Vielleicht ältere Menschen an Bord, die ihre Tabletten brauchen. Vielleicht jemand mit Platzangst. Vielleicht jemand, der gerade aus der Ferne heimgekehrt ist und einfach nur noch nach Hause wollte.
Genau das ist am Flughafen München passiert. Eigentlich sollte es am Donnerstagabend nur ein kurzer Flug sein: Lufthansa LH2446 von München nach Kopenhagen, Abflug 21.30 Uhr. 123 Passagiere saßen an Bord, als wegen starken Schneefalls erst Verzögerungen durchgesagt wurden – und der Flug schließlich um 23.56 Uhr ganz gestrichen wurde. Was dann folgte, ist kaum zu fassen: Die Maschine stand auf einer Außenposition, doch es kamen keine Busse, um die Menschen zurück ins Terminal zu bringen.
Die Türen bleiben zu. Kein Bus. Kein Zurück ins Terminal. Eine ganze Nacht auf dem Rollfeld.
Gegen 2 Uhr morgens sollen die Passagiere erfahren haben, dass der Flughafen geschlossen sei – Nachtflugverbot von null bis fünf Uhr – und keine Busfahrer mehr verfügbar seien. Heißt im Klartext: Die Menschen mussten im Flugzeug bleiben. Bis in die frühen Morgenstunden.
Ich bekenne ganz ehrlich: Ich möchte mir kaum ausmalen, was diese Nacht für die betroffenen Passagiere bedeutet haben muss. Es ging nicht nur um den Flug nach Kopenhagen. Auch Reisende nach Singapur, Danzig, Graz oder Venedig saßen fest. Insgesamt rund 500 Menschen mussten laut Lufthansa die Nacht im Flieger verbringen.
Acht Stunden auf engstem Raum. Keine Gewissheit, wie es weitergeht. Dieses Gefühl, nicht hinauszukönnen. Nicht selbst entscheiden zu können. Wer schon einmal zwei Stunden im Flieger festsaß, ahnt ganz entfernt, wie zermürbend eine ganze Nacht sein muss.
Ein betroffener Vater berichtete später, es habe weder ausreichend Essen noch Decken gegeben, nur ein paar Wasserflaschen.
All das waren NUR Unannehmlichkeiten?!
Und Stunden später, als alles vorbei ist, sprechen Lufthansa und Flughafen München von „Unannehmlichkeiten“.
Eine Unannehmlichkeit ist der kalte Kaffee am Morgen. Der verpasste Anschluss. Ein verspäteter Koffer. Aber eine Nacht lang faktisch im Flugzeug eingesperrt zu werden, ohne ausreichend Essen, ohne Decken, ohne zu wissen, wann man wieder rauskommt – das ist keine Unannehmlichkeit. Das muss sich für die Betroffenen anfühlen, wie Ausgeliefertsein. Wie Gefangensein auf engstem Raum.
500 Betroffene – das sind keine Zahlen – das sind Menschen! Vielleicht Menschen mit gesundheitlichen Problemen, vielleicht mit Ängsten – und Menschen, die nach dieser Nacht schlicht am Ende waren. Da wird die Lufthansa zur FRUSThansa!
Natürlich: Wir kennen noch nicht alle Hintergründe. Es hat stark geschneit. Startbahnen wurden geschlossen. Enteisung dauert. Vielleicht gab es organisatorische Engpässe, vielleicht außergewöhnliche Umstände. Das wird zu klären sein.
Egal, was am Ende als Ursache herauskommt – die Wortwahl bleibt respektlos. Wer so eine Horrornacht im Nachhinein als „Unannehmlichkeit“ abtut, beweist, dass ihm jedes Verständnis für die Betroffenen fehlt. Jeder Funke Mitgefühl!
Liebe Lufthansa, lieber Flughafen München: Sprache zeigt, wie ernst man das Leid von Menschen nimmt. Wer Verantwortung übernehmen will, der findet andere Worte. Klare Worte. Ehrliche Worte.
Zum Beispiel: „Das war für unsere Passagiere eine massive Belastung. Das tut uns leid. Wir entschuldigen uns.“ Es geht um Respekt. Und der beginnt bei einem einfachen Wort: Entschuldigung.
Bild Zeitung
